Das Übungsgut Rudolf Steiners
Die Sprechübungen Rudolf Steiners dienen nicht allein einem besseren und
bühnentauglichen Sprechen, in ihrem Aufbau ist der Fahrplan zur
Verwandlung des Menschen zu einem schöpferisch Sprechenden gegeben.
Denkend Erkennen, fühlend Bewegen und willentlich Gestalten finden zu
einer neuen Einheit zusammen.
Rezitation und Deklamation
Dichtung auszudrücken über den bloßen Gedankeninhalt hinaus, in
all ihrem lautlichen, rhythmischen, malerischen, plastischen und
musikalischen Reichtum, erfordert die Beherrschung, zugleich aber auch
die Freiheit des ganzen Menschen.
Sprechen für die Eurythmie
Stimmbildung, Atemschulung an der Sprache und Gestaltungskraft sind
neben geisteswissenschaftlicher Menschenkenntnis Voraussetzung eines die
eurythmische Darstellung impulsierenden, tragenden und durchwirkenden
Sprechens.
Mantrisches Sprechen
Im Wahrspruch oder Meditationsspruch liegen die lebendigen Formkräfte
der Sprache stark verdichtet darinnen; Inhalt und Gestalt sind eins.
Mantrisches Sprechen ist Ursprung und Weg der - besonders den
esoterischen Bereich in sich verankernden - Kunst der Sprachgestaltung.
Bewusstes und aktives Ergreifen des Wortes, dahin zielt ein
sprachkünstlerisch-übendes Eindringen gerade in die Seelenräume des
eigenen Willens.
Sprachkünstlerische Therapie
nach Christa Slezak-Schindler©
In »Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach
geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen« (Dr. Rudolf Steiner und Dr. Ita
Wegman) ist zu lesen: »Der physische Organismus ist von einem
ätherischen Organismus durchsetzt. Der bloße physische Organismus könnte
niemals einen Selbstheilungsvorgang hervorrufen. Ein solcher wird in
dem ätherischen Organismus angefacht. Damit aber wird die Gesundheit als
der Zustand erkannt, der im ätherischen Organismus seinen Ursprung hat.
Heilen muß daher in einer Behandlung des ätherischen Organismus
bestehen.«
Und Christa Slezak-Schindler führt aus: »Das Sprachgestalten ist eine
ungeheure Aufforderung an den Ätherleib, sich so zu betätigen, daß die
Sprache auf den Schwingen der Atmung aus der Enge des Leibes sich
befreien, das Seelisch-Geistige ergreifen und heilsam zurückwirken kann
auf den Sprechenden.«
Gegenwärtig ist davon die Rede, daß der Begriff der Heilung in der
heutigen Medizin so gut wie keine Rolle mehr spielt; insofern findet er
hier Verwendung. Die Praxis für künstlerisches Sprechen ist keine
medizinisch/therapeutische Praxis, sondern Kunstpraxis im Vorfeld einer
zukünftigen Heilkunst. Sie ersetzt keine medizinische, auch keine
Behandlung; vielmehr vertraut sie sich den gesundenden Kräften an, die
dem freien Wesen der Kunst seit jeher zu Eigen sind.