»Wann wird der Tag kommen für des Wortes Heil- und Zauberkräfte…« Marie Steiner-von Sivers
Indem sie jene durch die Geisteswissenschaft Rudolf Steiners erneuerte Kunst der Sprachgestaltung intensiv pflegte und dahingehend vertiefte, dass die Heilkräfte der Sprache geweckt und im Raum des Atems zur Anwendung gebracht werden konnten, hat uns Marie Steiner-von Sivers gezeigt, dass aus der Sprache gewaltige Belebungs- und Erneuerungskräfte strömen können.
Sie hat reiche Quellen für den Fortbestand der eigentlichen Menschlichkeit erschlossen, wir dürfen diese Quellen nicht versiegen lassen.
Die Schulung des Sprechens führt zur Verwandlung der Seelenkräfte, zur Impulsierung der Bewegungskraft im Geistigen, zur Erhaltung der Leibesgrundlagen. Geht dieses kostbare Gut innerhalb und außerhalb der anthroposophischen Bewegung verloren, dann kann die Anthroposophie ihre Zukunftsaufgaben nicht erfüllen.
Die Sprachgestaltung selbst ist zwei großen Gefahren ausgesetzt: der Unverbindlichkeit im Umgang mit ihren künstlerischen Grundlagen und Quellen, die von Unverständnis bis zu Ablehnung führt und der pathologischen Verfestigung des Althergebrachten in einem pseudomusikalischen Sprechen.
Starres Festhalten und achselzuckendes Loslassen sind auffallende Positionen, die gleichermaßen die geistige Schönheitsmitte der Sprache verfehlen. Das Bewusstsein für die Lebensnotwendigkeit der Sprachgestaltung muss zuallererst in anthroposophischen Kernbereichen und allmählich darüber hinaus wieder neu geschaffen, vertieft und durchdrungen werden. Geschieht dies, kann der schwersten auf uns zukommenden Krankheit entgegengewirkt werden, dem Verlust des Menschseins.
In Unterlengenhardt, einem bekannten Ort anthroposophischer Initiative, an dem die bedeutende Sprachkünstlerin und direkte Schülerin Marie Steiner-von Sivers´ Ida Rüchardt wohnte, deren Geistesgefährtin Freifrau Monica von Miltitz mit einer Gedenkrede für Marie Steiner-von Sivers am 27. Dezember 1951 den örtlichen Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft begründete, befindet sich seit vielen Jahren eine Schule, deren Anliegen es ist, den Impuls der Sprachgestaltung in dem Sinne, wie er von den Begründern der anthroposophischen Geistesrichtung, Rudolf Steiner und Marie Steiner-von Sivers, ausging, zukunftswirksam weiter zu entfalten.